Montag, 30. November 2009

Die steuerliche Kehrseite der Kurzarbeitermedaille

Das sollten sich alle Kurzarbeiter durchlesen. Davon hat kein Politiker etwas erwähnt. Wenn der Staat gibt, nimmt er wieder. Keine Leistung ohne Gegenleistung:
"Einkommensteuer
Steuerfalle Kurzarbeit
Viele Deutsche verdanken ihren Job vor allem den großzügigen Kurzarbeitsregeln in der Krise. Allerdings droht ein böses Erwachen am Jahresende – wenn das Finanzamt sich zu Wort meldet."

Wenn ich "großzügige" Kurzarbeiterregeln lese, bekomme ich allerdings das kalte Grausen. Das war großzügig für die Arbeitgeber und die Politik selbst, aber nicht für die Arbeitnehmer. Die Arbeitgeber bedienen sich, die Arbeitnehmer und der Staat zahlen dazu, bis er sich von den Kurzarbeitern holt, was er sich holen kann. Die Politik bekam Applaus. Wofür eigentlich? Für die Hinhaltetaktik vor den Wahlen. Wenn kurz vor den Wahlen ein für den Bürger wohlmeinendes Gesetz verabschiedet wird, leuchten bei mir alle Warnlampen.

Was sind Stärken, Schwächen und Werte?

Das System, in dem wir leben, definiert die Stärken, Schwächen und Werte der Menschen. Die meisten Menschen haben verlernt oder nicht gelernt sie für sich selbst zu definieren oder zu entdecken. Im Kindergarten beginnen die ersten Versuche die Kinder systemkonform zu prägen und ihre Eigen- und Wesensarten zu unterdrücken. In der Schule setzt sich das fort. Es beginnt die systemkonforme gesteuerte Bildungsprägung. Unter Erziehungs- und Lehrkräften gibt es immer noch Ausnahmen, die die Einzelförderung erkennen. Meist fehlt es ihnen an den Möglichkeiten. Viele Kinder richten sich bei der weiteren Ausbildung nach den Vorstellungen der Familie oder dem Bedarf des Arbeitsmarktes. Ihnen wird gesagt, was sie dürfen und was sie nicht dürfen. Das, was man ihnen gebietet oder verbietet, leben die Erwachsenen meist nicht vor.

In der Kirche und im Religionsunterricht erzählt man ihnen von christlicher Nächstenliebe, die kaum praktiziert wird. Man bringt ihnen bei zu teilen. Das sagen meistens die, die selber nicht teilen wollen. Meistens sind die bereit zu geben, die selber wenig haben. Die, die im Wohlstand ersticken, erweisen sich als Raffzähne. Vor Jahren sollten Kinder in einer Kindersendung den Erwachsenen das Wort Papst erklären, ohne das Wort nennen zu dürfen. Ein sechsjähriger Junge: "Das ist der, der immer sagt, man soll den Armen geben, aber selber nichts abgibt." Die Erwachsenen wussten sofort die Antwort.

Man will ihnen Gewaltfreiheit beibringen. Täglich erleben sie durch Medienberichte, eigene Erfahrungen, Beobachtungen und uns Gewalt. Mit uns ist gemeint: wir dulden Gewalt. Duldung durch Unterlassung kann eine Straftat sein. Sie erleben, dass die Erwachsenen Kriege führen. Wir reden von Werten und was soll bitte ein Kind unter einem "Krieg der Werte" oder "Krieg dem Terror" verstehen, wenn wir selber noch viel mehr Terror, Leid, Unheil verbreiten? Ist das die Stärke von uns Erwachsenen? Andere Länder zu bestehlen, zu besetzen, zu überfallen, zu nötigen, zu erpressen? Das Ganze natürlich nur rein humanitär unter dem Deckmäntelchen der Freiheits- und Sicherheitsverteidigung und um ihnen unsere Werte mit auf den Weg zu geben, ob sie wollen oder nicht. Danach wird nicht gefragt. Sind die Werte der anderen die schlechteren?

Wir erzählen ihnen von Gerechtigkeit. Dazu schildere ich kurz eine Szene aus dem Schulalltag. Eine Schülerin greift einen Schüler an. Sie muss mächtig auf ihn eingeprügelt haben. Er wehrt sich. Er wird ins Rektorat zitiert und bestraft mit der lapidaren Begründung: "Ein Mädchen schlägt man nicht." Sie geht straffrei aus. Mein Sohn ist als Zeuge dabei und wird gelobt, weil er das Mädchen verteidigt hat. Er gibt ehrlich zu, dass er nicht das Mädchen, sondern den Jungen verteidigt hat, sonst hätte sie ihm noch mehr zugesetzt. Er wird auch bestraft. Ist das gerecht? Die ganze Geschichte, wie sie wirklich war, hat nicht interessiert. Das erinnert mich an gewisse Untersuchungsausschüsse.

Die Kinder werden auf Leistung getrimmt. Je höher, je schneller, je besser. Mein Haus, mein Auto, mein Pferd, mein Garten. Unterm Strich zähl' ich. Stark und ein Gewinner ist der, der in diesem System besteht. Schwach und ein Verlierer ist der, der in dem System nicht besteht oder sich verweigert. Sind nicht eher die Verweigerer die Starken? Sind nicht die, die das System und die Gesellschaft anzweifeln und nach ihren Neigungen und Interessen ihren eigenen Weg gehen wollen, die Starken?

Die Kinder werden zum Konsum erzogen. Die Werbung schreit es uns entgegen. Überall, wo wir gehen und stehen. Jeder muss ein IPod oder ein IPhone haben, sonst schwimmt man nicht mit dem Strom und ist out. Ist gerade der neuste noch leistungsstärkere PC auf dem Markt, kommt die nächste Steigerung. Sind nicht die stark, die diesem Konsumwahn widerstehen können? Leidet unser Selbstbewusstsein, wenn wir nicht den neusten Plasmafernseher haben, nur weil unser Nachbar einen hat?

Ist nicht der stark, der sich gegen eine Gruppe stellt, um einen anderen zu verteidigen und zu unterstützen? Bei uns herrscht überwiegend die ich-halte-mich-lieber-heraus-Mentalität. Man bringt den Kindern die Werkzeuge der egoistischen Ellebogentechnik bei: nur die Harten kommen in den Garten. Sind die, die ihre positiven Gefühle zeigen und andere daran teilhaben lassen können, weil sie sie sich nicht haben abtrainieren lassen, nicht eher die Starken? Ist nicht derjenige stark, der seine negativen Gefühle und Schwächen erkennt, sie zugeben und ändern kann? Ist nicht derjenige stark, der mit Kritik umgehen und sie annehmen kann, um dann Selbstkritik zu üben? Ist jemand schwach der verzeihen kann, der nicht auf Rache aus ist? Ist jemand schwach, der gönnen kann und dem Neid fremd ist?

Wie steht es mit dem Sozialneid? Anhand einiger Kommentare zu diesem Artikel kann man es auf beschämende Art nachlesen: Vorurteile, Pauschalbewertungen über 8,1 Mio. Personen, deren Einzelschicksale uns unbekannt sind. 41,6 Mrd. pro Jahr für Menschen vs. über 500 Mrd. an Bankenrettungspaketen für Saugnäpfe mit steigender Tendenz:

"Jeder zehnte Bürger lebt auf Staatskosten
Jeder zehnte in Deutschland lebende Mensch ist auf existenzsichernde Hilfe vom Staat angewiesen. 8,1 Millionen Personen erhielten zum Jahresende 2007 Transferleistungen der sozialen Sicherungssysteme. Die Leistungen umfassen zum Beispiel Hartz IV oder die Grundsicherung im Alter."

Die Überschrift ist bezeichnend. Der erhobene Fingerzeig. Medien und Politik lenken immer wieder den Unmut auf die Schwächsten. Unsere Mitmenschen fallen verläßlich darauf herein. Das hat Methode und Tradition, lenkt von den ursächlich Verantwortlichen ab, sichert den Falschen die Macht und vermeidet die nicht gewollte Solidarität.

Sind das alles unsere Werte, auf die wir stolz sein können? Unsere Stärken und Schwächen? So wie ein Fanatiker auf Fanatismus gedrillt wird, versucht man uns auszurichten auf Leistung, Konsum, Egoismus und Rücksichtslosigkeit.

Wir als Eltern/Erwachsene müssen Kindern Zuneigung und Verständnis schenken und sollten ihnen in sinnvoller Dosierung Selbstbewusstsein, Sozialverhalten, Durchhaltevermögen und Kampfgeist beibringen und möglichst den Druck, der ihnen in unserer Gesellschaft beschert wird, abschwächen. Wen oder was unterstützt man? Wofür setzt man sich ein? Wofür lohnt es sich zu kämpfen? Last but not least: jeder muss selber entscheiden, was für ihn wichtig im Leben ist. Ist nicht der größte Wert Zeit und Verständnis füreinander zu haben, anstatt käuflichen Dingen hinterher zu hecheln?

Sonntag, 29. November 2009

Mobbing oder wer ist schuld?

Zum Thema Schuld wähle ich ein Beispiel, das sich täglich an vielen Schulen abspielt. Ein Gruppe Provokateure sucht sich ein Gängelopfer aus. Vielleicht passt der Gruppe an dem Kind die Nase nicht, es ist zu dick, zu dünn, trägt keine Markenkleidung, es ist ein schulischer Überflieger und dem Neid der anderen ausgesetzt, es ist ein schlechter Schüler, das Kind hat ein loses Mundwerk, hat selber mal jemanden geärgert oder provoziert, es hat sie "genervt" oder es ist schüchtern und neigt dazu, sich nicht zu wehren. Vielleicht hat es auch gar nichts getan. Man sucht sich beliebig ein Opfer. Das alles rechtfertigt nicht, dass eine Gruppe wochen- oder monatelang jemandem zusetzt.

Das Kind wird von seinen Mitschülern getrietzt. Es wird verhöhnt, verspottet, beschimpft, bedrängelt. Anfänglich wird es noch von anderen verteidigt, bis man den Verteidigern verdeutlicht, dass sie das nächste Opfer sein werden. Es werden Unwahrheiten verbreitet, so dass sich fast jeder von ihm abwendet. Nirgendwo darf das Kind mitspielen. Es wird ausgestoßen. Das Kind versucht sich verbal zu wehren. Es wird nicht erhört. Es versucht seine Peiniger zu ignorieren und läuft weg. Sie laufen mit lauten wüsten Beschimpfungen und Hänseleien hinter ihm her. Sie stoßen es in einen Kreis, schubsen es hin und her, bewerfen es mit Laub, Kastanien, Stöcken, Steinchen, Schneebällen. Das Opfer will zunächst nichts sagen, weil es fürchtet als Petze zu gelten und man ihm erst recht zusetzen wird.

Irgendwann wendet es sich an seine Eltern oder die Eltern bekommen einen Hinweis, von jemandem, der es gut meint. Sie suchen das Gespräch mit Lehrkräften, den Provokateuren, den Eltern der Provokateure. Sie verharmlosen die Situation. Die Provokateure reden sich mit banalen Ausreden heraus. Die Eltern haben die mein-Kind-tut-sowas-nicht-Einstellung. Sie erkennen das Problem nicht. Die Lehrkräfte wollen in Zukunft mehr darauf achten. Das alles sind halbherzige Reaktionen. Die Gängeleien gehen weiter. Die Provokateure haben die Erfahrung gemacht, dass sie keine Konzequenzen zu befürchten haben.

Das Opfer hat die Erfahrung gemacht, dass seine Not nicht ernst genommen wird. Das Kind kommt immer öfter verzweifelt nach Hause. Die schulischen Leistungen lassen nach. Das Kind wird fahrig, unkonzentriert und schläft schlecht. Der Gang zur Schule wird zum Albtraum. Erneut versuchen die Eltern des Kindes zu intervenieren und ihm zu helfen. Es geschieht, was nicht geschehen sollte: in seiner Verzweiflung nimmt das Kind einen Gegenstand, schlägt damit zu und verletzt einen Provokateur. Aus dem Opfer wird ein Täter. Der Aufschrei ist groß. Das Kind gilt wg. seiner unangemessenen Reaktion als aggressiv.

Wer hat die Schuld? Die Provokateure, die zu seicht reagierenden Erwachsenen, die wegsehenden Mitschüler, das Opfer? Wenn wir den Schuldbegriff nehmen wollen, haben alle schuld. Die wenigste Schuld mag ich dabei dem Opfer geben. Es hat aus Furcht zu lange gezögert, bis es sich Hilfe holte. Allerdings ist es für seine Überreaktion verantwortlich. Der Fehler der meisten Menschen ist, im Schuldbegriff zu denken.

Da ich eher nach dem Verursacherprinzip denke, würde ich in dem Fall den Kausalzusammenhang sehen. Das Opfer wurde so lange in die Enge getrieben, bis es sich nicht mehr anders zu helfen wusste. Das soll keine Entschuldigung oder Rechtfertigung sein, sondern eine Erklärung. Es ist deutscher Schulalltag. Weil sich solche Fälle an den Schulen häufen, wird das "No Blame Approach" in die Tat umgesetzt.

"Der No Blame Approach ist ein spezielles Verfahren zum Umgang mit Mobbing. Auch dieses Verfahren zielt nicht auf eine Bestrafung ab, da auch hier die Lösung des Konflikts im Mittelpunkt steht. Im Gegensatz zur Mediation wird hierbei aber nicht nach den Ursachen geforscht, sondern versucht, das System zu durchbrechen."

Nicht nur Ursachen und Bestrafung, auch der Schuldbegriff werden ausgeklammert. Es gibt mittlerweile Anti-Mobbingtrainer, die in die Schulen kommen und die Provokateure in die Situation des Opfers versetzen. Das könnte ebenfalls eine wirkungsvolle Methode sein.

Mobbingfälle findet man auch verstärkt im Arbeitsleben. Meist wird dort subtiler und versteckter vorgegangen. Warum mobben Menschen überhaupt? Aus Egoismus, aus Gedankenlosigkeit, weil sie zu einer Gruppe dazu gehören und nicht selber ausgegrenzt werden wollen, sind sie Opfer der Ellebogengesellschaft, wollen sie von ihren eigenen Problemen ablenken, wollen sie den Posten des anderen bekommen?

Geschrieben und basiernd auf Kindererzählungen und -erfahrungen. Abschlussfragen: warum helfen uns die angeblich omnipotenten Erwachsenen nicht? Warum versagen sie, wenn wir sie dringend brauchen? Sie kommen an mit Psychologen, Therapeuten, irgendwelchen Experten, die keine Ahnung haben von dem, was sich in uns abspielt. Die Fragen gebe ich an die Erwachsenen weiter.

Freitag, 27. November 2009

Die Hesse komme



Ich habe die Schwalbe gebeten über Schuld und Unschuld, über Stärken und Schwächen zu schreiben. Sie wollte überlegen. Die Kinder sprangen sofort auf die Themen an. Das wird wohl eine Gemeinschaftsproduktion.

Dumme SchülerInnen?

Die Bertelsmann-Stiftung, die Medien-, Politiker- und Ministerien"berater", beauftragten das der Regierung nahestehende Ifo-Institut mit einer Studie. Dabei stützten sie sich auf Experten, die offensichtlich nicht in der Lage waren die Finanzkrise vorherzusagen. Das zeugt eindeutig von Transparenz. Da weiß man, was man hat. Erst geraten die StudentInnen in die Kritik und nun die SchülerInnen. Erstaunlich, dass sie das bis 2080 glauben zu wissen. Lust auf Bertelsmann-Kritik?

"Durch schlecht gebildete Schüler gehen der deutschen Volkswirtschaft horrende Summen verloren. Nach Berechnungen der Bertelsmann-Stiftung beliefen sich die ungenutzten Wachstumspotentiale bis 2080 auf knapp drei Billionen Euro. Eine wesentliche Ursache sei mangelnde Chancengerechtigkeit"; berichtete "Der Westen".

Geld, Wachstum, Leistung. Zählt für die Herrschaften noch etwas anderes? Die mangelnde Chancengerechtigkeit ist in diesem Lande nicht anzuzweifeln, denn bei uns sind die soziale Herkunft und Geld sehr entscheidend für den Werdegang. Wer sorgt mit solchen Studien, regelmäßig erfolgenden Hetztiraden, sozialen Einsparungen und Erhöhungen der Bildungskosten dafür?

"Die Betroffenen kommen laut Stiftung häufig aus sozial benachteiligten Familien oder haben einen Migrationshintergrund." Na, da haben wir es ja wieder. Der Migrationshintergrund hat mir heute noch in meiner Sammlung gefehlt. Was ist ein Migrationshintergrund? Sind die Eltern aus einem anderen Land, die Großeltern, der Hund, die Katze? Das mit den sozial Benachteiligten kennen wir schon.

Das Wort "dumm" zu benutzen ist eine Unverschämtheit von "Der Westen". Ich hätte gerne eine Statistik über schlecht gebildete SchülerInnen bevorteilter Familien und aus Familien ohne Migrationshintergrund. Sie kommen in Positionen, in denen sie nichts zu suchen haben. Sie reden und urteilen über Menschen, Lebenssitutionen und Dinge, von denen sie in ihrer Überheblichkeit nichts wissen.

Unter den SchülerInnen gibt es Leistungsverweigerer. Sie tun es, weil sie der stereotype Unterricht und/oder langweilig unterrichtende Lehrkräfte anöden, weil sie sich unterfordert fühlen, weil sie sich unverstanden fühlen, weil sie gemobbt werden, weil sie den Leistungsdruck schwer ertragen können, weil sie lieber freier und ungezwungener lernen würden. Faule gibt es natürlich auch. Es gibt viele Gründe dafür.

Albert Einstein und viele geistige "Größen" waren schlechte Schüler. Wenn ich an meine Schulzeit denke: wir hatten Lehrkräfte bei denen Einschlafgefahr drohte (blablabla) und wir hatten Lehrkräfte, die jeden Unterricht spannend wie einen Krimi gestalten konnten. Der Hit war unser Geschichts- und Politiklehrer, der uns in der ersten Unterrichtsstunde sagte, dass wir die blöden Schulbücher zu Hause lassen sollten. Da stünden nur Halbwahrheiten drinnen. Das haben wir gemacht. Er hat jede Geschichts- und Politikepoche, jede Ideologie hinterfragt und uns mit anderem Material versorgt. Er war zu Diskussionen bereit und hat Fragen bereitwillig und ausführlich beantwortet. Bei solchen Lehrkräften blüht jedes Kind auf .

Dafür haben viele Lehrer bei den Klassenstärken und dem durch die Politik aufgestauten Druck kaum noch Zeit. In Hessen will man die Lehrkräfte wg. "Auffälligkeiten" bzgl. ihrer Vergangenheit genauer überprüfen und alles über sie abspeichern. Wenn das bundesweit Schule macht.....

Vermutlich kosten uns unfähige gierige Politiker, Experten, Banker und Manager bis dahin noch mehr.

Kleinkinder zur ARGE

"Die Arbeitsgemeinschaft in Gifhorn verlangt von einem Fünfjährigen, sein Einkommen „lückenlos zu belegen“. Der Vater, seit vier Jahren „Kunde“, ist sauer. Die Arge entschuldigt sich für die Panne."

So legt man sich selbst herein:
"Familie A. aus dem irgendwo im nirgendwo des ostfriesischen Flachlandes bekam für ihre 1jährige Tochter eine Einladung für einen Termin bei der ARGE. Der Papi, ebenfalls arbeitslos, wollte mit seiner Tochter nun diesen Termin wahrnehmen und begab sich zum Termin, morgens um 9:30 zur eben dieser ARGE."

Irren ist menschlich oder so!

Die Hetze geht weiter

Mal sind es Migranten, wobei es sich in den Fällen fast ausschließlich um Muslime handelt; mal sind es Rentner, die den Jungen auf der Tasche liegen, ungeachtet der Tatsache, dass sie jahrelang eingezahlt haben; mal sind es die Ex-DDR-Bürger, die angeblich schuld am Soli sind; mal sind es die protestierenden Studenten und jetzt sind es mal wieder die Hartz-IV-Empfänger. Hat die Presse nichts Sinnvolleres zu tun?

"Die Zahl der Missbrauchs-Fälle von Hartz IV ist nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit im ersten Halbjahr 2009 um sechs Prozent gestiegen. Betrügereien sowie die Weigerung zumutbare Arbeit oder 1-Euro-Jobs anzunehmen, wurden im letzten Jahr insgesamt in 765.000 Fällen mit Sanktionen bestraft."

Betrug und Schwarzarbeit sind anders zu bewerten, als Arbeitsverweigerungen wg. "zumutbarer" Arbeit oder 1-Euro-Jobs. Es ist Unsinn, das in einen Topf werfen zu wollen. 1-Euro- und Minijobber finanzieren ihren Regelsatz fast selbst.

Manche Leute scheinen es nicht begreifen zu wollen: die Menschen wollen von ihrer Arbeit leben können, fair bezahlt und behandelt werden. 82.000 Fälle sind nur 2,35% von 3,5 Mio. Arbeitslosen. 87.000 sind 2,5% von 3,5 Mio. Arbeitslosen. Da die Statistik geschönt wird, können wir bei Hartz-IV-Empfängern und Aufstockern von wenigstens 7 Mio. ausgehen. Schon relativiert sich die Zahl in verschwindende Geringfügigkeit. Der Verwaltungsaufwand für jeden Erwerbslosen ist fast das Zweifache dessen, was ein Erwerbsloser erhält. Deutschland, deine Ver(ge)walt(ig)ungsdiktatur.

Wow, das ergibt eine Riesenbetrugszahl, die akribiesch verfolgt werden muss. Bei den Zumwinkels der Nation, die Millionen an Steuergeldern am deutschen Fiskus vorbei ins Ausland schleusen, ist man wesentlich großzügiger. Sie bekommen sogar eine fette Pension und für ihre Verhältnisse ein Peanutsstrafe. Banker, die die Menschen um ihr Erspartes betrogen haben, genießen fast alle Straffreiheit, bekommen Boni und satte Abfindungen. Ackermann grinste kommentarlos in die Kamera, als man ihn wg. seiner Verantwortung für sein Handeln ansprach. Sein nächstes Essen bei der Kanzlerin dürfte gewiss sein. Missbrauchsfälle bei der Kurzarbeit durch Arbeitgeber werden kaum verfolgt. Politiker leben auf unsere Kosten. Wir zahlen ihre Diäten und Pensionen, für die sie nichts einzahlen.

Das "Unschuldslamm" Jung tritt als Arbeitsminister zurück und alle anderen haben sowieso nichts gewusst. Werden sie zur Verantwortung gezogen werden? Darauf können wir lange warten. Unsere Justiz scheint sich lieber auf die kleinen Fische zu konzentrieren. Er braucht sich um seine Zukunft keine Sorgen zu machen. Er wird, wie Peer Steinbrück, ein hübsches Pöstchen bekommen. Das hatte Frau Merkel ihm ja versprochen.

Jeder von uns, der seinen Job verliert, ist in den Hintern gekniffen und muss seine Vermögens- und Lebensverhältnisse offenbaren. Der Gang zur Behörde ist unausweichlich, verbunden mit Gängeleien, Druck, Unverschämtheiten, Sanktionen. Ausnahmen bestätigen bei den Argen die Regel. "Kleine" Selbständige, Kleinunternehmer und mittlere Betriebe, die unter der Finanzkrise leiden und in Zahlungsschwierigkeiten geraten, genießen selten Gnade beim Finanzamt, obwohl Steinbrück die Finanzbehörden um Kulanz und Ermessensspieleräume ersucht hatte. Auf "Rettungspakete" braucht von uns keiner zu hoffen. Die Banken gewähren keinen Kredit, obwohl sie von unseren Steuergeldern gerettet wurden.

Immer weder lese und höre ich:
1. "Wer arbeiten will, findet auch Arbeit." Für Millionen von Arbeitslosen gibt es wenige Stellenangebote.
2. "Dann muss man halt kleine Brötchen backen und für wenig Geld arbeiten, Hauptsache man hat Arbeit." Mit dieser Einstellung sind Türen und Tore geöffnet für Zeit- und Leiharbeit. Viele Firmen gründen längst eigene Zeit- und Leiharbeitsfirmen, um sich vor regulären Löhnen und Gehältern zu drücken.
3. "Die 1-Euro-Jobber nehmen uns die Arbeitsplätze weg." Sie werden von den Argen unter Druck gesetzt, damit wohltätige, caritative, kirchliche, soziale Einrichtungen und Firmen Kosten sparen können und die Argen zahlen drauf.
4. "Die leben von meinen Steuergeldern." Auch Erwerbslose zahlen Steuern mit allem, was sie konsumieren und verbrauchen.

Wer hat die größere kriminelle Energie und was kostet den Steuerzahler mehr? Es ist so leicht zur Ablenkung auf die einzudreschen, die eigentlich die wenigsten Kosten verursachen, anstatt den Blick auf die Machenschaften oben zu richten.

Ich denke immer wieder gerne an mein Unwort des Jahres 2008: wir brauchen mehr Vertrauen. Vertrauen sollte auf Gegenseitigkeit beruhen.

Es gibt genug Leute, die auf die Hetzkampagnen hereinfallen und anscheinend nicht begreifen wollen, wo das Problem liegt. Der Stigmatisierung fallen die Hartz-Kinder zum Opfer: "Ihr seid die Kinder von Schmarotzern, ihr seid die Unterschicht"ler", nänänänänä..." Die Kinder, die sie verteidigen, sind die "Unterschichtsfreunde". "Sauber" gemacht, liebe Erwachsene. Wie heißt es so treffend: wer nach unten tritt, buckelt nach oben.