Freitag, 5. März 2010

Ist Bohlen ein Symbol für Ehrlichkeit?

Laut einer Studie ist Herr Bohlen für SchülerInnen im Alter zwischen 9 und 22 Jahren ein Symbol für Ehrlichkeit. Befragt wurden 1.302 Personen; es gibt ca. 10 Mio. Schüler in D. Das soll repräsentativ sein?

Meine Brut kam irgendwann aus der Schule und behauptete: "Alle dürfen DSDS gucken, nur wir nicht". Wenn Kinder "alle dürfen" sagen, sollte man es mit Vorsicht genießen. Ich habe mit ihnen gemeinsam geschaut. Sie haben schnell begriffen, was Bohlen abzieht und ihr Interesse erlosch.

In diesen Talentshows wird den jungen Menschen die vom Tellerwäscher-zum-Millionär-Mär vermittelt. Das erreicht man mit Schönheit, Talent, Leistungsbereitschaft und Ellebogentechnik. Wer will, aus dem kann etwas werden. Die Anbetung von Idolen wird propagiert.

Wenn Ehrlichkeit bedeutet, dass Kritik in Beleidigungen und Demontage eines jungen hoffnungsfrohen Menschen endet, ist Deutschland tief gesunken. Meine Brut bekäme von mir nicht das Einverständnis sich in der Öffentlichkeit zum Affen machen zu lassen. Die Mädchen werden von der männlichen Jury, insbesondere von einem Herrn, mit Augen ausgezogen. Casting kann man seriöser machen, wenn man ein Kind hat, das sich für die Künste berufen fühlt.

Die Sender leben von den Einschaltquoten. Je höher sie sind, desto mehr Werbeinteressenten haben sie. Die anrufenden abstimmenden Zuschauer oder die, die diese bescheuerten Otto-Simpel-Quizfragen beantworten wollen, verschaffen ihnen satte Einnahmen. Die Flatrate deckt die Anrufe nicht ab. Es wird extra berechnet. Der Zuschauer entscheidet, was gesendet wird.

Dschungelcamp wollten meine Kinder auch mal schauen. Auch dieses Thema hat sich zügig erledigt, weil sie verstanden haben, dass sich ehemalige Prominente oder Pseudoprominente für Geld vor der Kamera prostituieren und bereit sind dafür fast alles zu tun. Das ist ein weiterer Aspekt: für Geld und Erfolg tut man fast alles. Es ist ganz wichtig, dass man den jungen Zuschauern die Masche, die dahinter steckt, erklärt und mit ihnen darüber diskutiert.

Ich habe eine hübsche Anekdote aus dem realen Leben zum Thema "learning by doing".
Sohni machte Hausaufgaben am Küchentisch, während Mama in einem Anfall von Putzwahn die Küchenfront abwischte. Damals war er noch in der Grundschule und musste immer die Hausis in meiner Nähe machen. Heute verschwindet er lieber in sein Zimmer. Er sollte Sätze bilden: Subjekt, Prädikat, Objekt. Er hatte keine Einfälle mehr und bat mich um Anregungen. Ich antwortete, weil er selber denken soll: "Was mache ich denn gerade?" Ich wollte ihn schubsen auf: "Meine Mutter putzt die Küchenfront oder wischt die Schränke". Er sagte: "Wozu Frauen geboren wurden: putzen." Weiß der Himmel, wo er den Spruch gehört hatte. Ich schwieg. Er: "Mamaaaa, hast du keine Idee?" Ich: "Tut mir leid, Frauen sind zum Putzen geboren und haben keine Ideen." Oh, es dämmerte ihm. Er entschuldigte sich. Ich gab ihm ein paar Denkanregungen und danach half er beim Putzen. Ich habe ihn den Spruch nie mehr wieder sagen gehört.

Das Personen- und Gruppen-Bashing der Medien, der "Experten", der Politiker, der angeblich aussagekräftigen Studien und Meinungsumfragen sind wir absolut leid. Es ist widerlich, anmaßend und entwürdigend.

1 Kommentar:

sorgenlos hat gesagt…

Wir schauen DSDS eigentlich gerne, weil wir es lieben, junge tallentierte Menschen singen zu hören - ABER das drumherum ist einfach nur schlecht und entwürdigend. Wichtig ist, dass man dies seinen Kindern zeigt und beibringt, also nicht kommentarlos solche Sendungen sehen lässt. Durch Erklärung können sie durchaus kritisch denken lernen... Bei DSDS geht es def. nicht darum, ein Talent zu finden und zu fördern - es geht allein um Quote und das ist egal auf wessen Kosten - nur deshalb werden doch private und intime Details der Kandidaten veröffentlicht oder werden Spitznamen kreiert, die persönlich angreifend sind.
Und wenn ich das so schreibe, frage ich mich wirklich, ob ich es nochmal ansehen sollte.
Da ist die Talentsuche für den GrandPrix schon fairer....
LG
Petra