Freitag, 27. November 2009

Dumme SchülerInnen?

Die Bertelsmann-Stiftung, die Medien-, Politiker- und Ministerien"berater", beauftragten das der Regierung nahestehende Ifo-Institut mit einer Studie. Dabei stützten sie sich auf Experten, die offensichtlich nicht in der Lage waren die Finanzkrise vorherzusagen. Das zeugt eindeutig von Transparenz. Da weiß man, was man hat. Erst geraten die StudentInnen in die Kritik und nun die SchülerInnen. Erstaunlich, dass sie das bis 2080 glauben zu wissen. Lust auf Bertelsmann-Kritik?

"Durch schlecht gebildete Schüler gehen der deutschen Volkswirtschaft horrende Summen verloren. Nach Berechnungen der Bertelsmann-Stiftung beliefen sich die ungenutzten Wachstumspotentiale bis 2080 auf knapp drei Billionen Euro. Eine wesentliche Ursache sei mangelnde Chancengerechtigkeit"; berichtete "Der Westen".

Geld, Wachstum, Leistung. Zählt für die Herrschaften noch etwas anderes? Die mangelnde Chancengerechtigkeit ist in diesem Lande nicht anzuzweifeln, denn bei uns sind die soziale Herkunft und Geld sehr entscheidend für den Werdegang. Wer sorgt mit solchen Studien, regelmäßig erfolgenden Hetztiraden, sozialen Einsparungen und Erhöhungen der Bildungskosten dafür?

"Die Betroffenen kommen laut Stiftung häufig aus sozial benachteiligten Familien oder haben einen Migrationshintergrund." Na, da haben wir es ja wieder. Der Migrationshintergrund hat mir heute noch in meiner Sammlung gefehlt. Was ist ein Migrationshintergrund? Sind die Eltern aus einem anderen Land, die Großeltern, der Hund, die Katze? Das mit den sozial Benachteiligten kennen wir schon.

Das Wort "dumm" zu benutzen ist eine Unverschämtheit von "Der Westen". Ich hätte gerne eine Statistik über schlecht gebildete SchülerInnen bevorteilter Familien und aus Familien ohne Migrationshintergrund. Sie kommen in Positionen, in denen sie nichts zu suchen haben. Sie reden und urteilen über Menschen, Lebenssitutionen und Dinge, von denen sie in ihrer Überheblichkeit nichts wissen.

Unter den SchülerInnen gibt es Leistungsverweigerer. Sie tun es, weil sie der stereotype Unterricht und/oder langweilig unterrichtende Lehrkräfte anöden, weil sie sich unterfordert fühlen, weil sie sich unverstanden fühlen, weil sie gemobbt werden, weil sie den Leistungsdruck schwer ertragen können, weil sie lieber freier und ungezwungener lernen würden. Faule gibt es natürlich auch. Es gibt viele Gründe dafür.

Albert Einstein und viele geistige "Größen" waren schlechte Schüler. Wenn ich an meine Schulzeit denke: wir hatten Lehrkräfte bei denen Einschlafgefahr drohte (blablabla) und wir hatten Lehrkräfte, die jeden Unterricht spannend wie einen Krimi gestalten konnten. Der Hit war unser Geschichts- und Politiklehrer, der uns in der ersten Unterrichtsstunde sagte, dass wir die blöden Schulbücher zu Hause lassen sollten. Da stünden nur Halbwahrheiten drinnen. Das haben wir gemacht. Er hat jede Geschichts- und Politikepoche, jede Ideologie hinterfragt und uns mit anderem Material versorgt. Er war zu Diskussionen bereit und hat Fragen bereitwillig und ausführlich beantwortet. Bei solchen Lehrkräften blüht jedes Kind auf .

Dafür haben viele Lehrer bei den Klassenstärken und dem durch die Politik aufgestauten Druck kaum noch Zeit. In Hessen will man die Lehrkräfte wg. "Auffälligkeiten" bzgl. ihrer Vergangenheit genauer überprüfen und alles über sie abspeichern. Wenn das bundesweit Schule macht.....

Vermutlich kosten uns unfähige gierige Politiker, Experten, Banker und Manager bis dahin noch mehr.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Das dümmste daran ist das Wort: SchülerInnen. So eine Verhunzung der Sprache ist nicht zum aushalten. Wie wäre es mit IdiotenInnen?

Schwalbe hat gesagt…

Ich mag das mit den "Innen" auch nicht so gerne. Es hat sich aber leider so eingebürgert und das nimmt mittlerweile merkwürdige Auswüchse an. Eines schönes Tages entdeckte man, dass die deutsche Sprache zu vermännlicht sei und man auf das "Innen" nicht verzichten könne im Zuge der Gleichberechtigung, weil sich Frauen sonst nicht angesprochen oder vernachlässigt fühlen und das Frauenunterdrückung sei.

Viel schlimmer finde ich das Präfix "ler": Unterschichtler, Protestler, Gewerkschaftler, etc. Das hat immer eine abwertende Bedeutung.
Lustig und nachdenklich dazu hat Bastian Sick geschrieben: Der Dativ ist dem Genetiv sein Tod :-o)
Wie wäre es mit liebe Gläubiginnen und Gläubige? ;-)

Man beachte auch den Apostroph- und Bindestrichwahn und was ich grausig finde, dass man immer mehr den Genetiv durch den Dativ ersetzt.